Bayreuth, den 16.7.17 2. Korinther 5,17

Liebe Gemeinde!

Wir hören auf ein Wort aus dem 2. Korintherbrief, Kapitel 5, Vers 17: "Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden." (HfA: "Gehört jemand zu Christus, dann ist er ein neuer Mensch. Was vorher war, ist vergangen, etwas Neues hat begonnen.")

Es gehört für mich zum Faszinierendsten, wenn Menschen sich verändern, wenn sie begonnen haben, ihr Leben Jesus anzuvertrauen. Ansichten verändern sich, Einstellungen, Verhaltensweisen. Sie sind noch die gleichen Menschen, aber sie haben ein anderes Herz. Wir kennen die Geschichte von Paulus: Er war ein Verfolger der Christen. Aber vor den Toren der Stadt Damaskus begegnet ihm der auferstandene Christus. Und sein Leben verändert sich total. Er glaubt an Jesus. Seine neue Lebensaufgabe ist nun, dass er die gute Nachricht von Jesus als Missionar weiterverbreitet. 

Ich denke auch an Augustin: Ein Playboy, ein Anhänger einer esoterischen Religion, wird Christ. Auch sein Leben verändert sich total.

Heute hören wir etwas von Louis Zamperini. Sein Leben ist nicht nur sehr spannend und abenteuerlich verlaufen. Sondern er ist durch die Begegnung mit der Botschaft von Jesus ein vollkommen anderer Mensch geworden. Bekannt wurde seine Lebensgeschichte durch die Biographie "Unbroken" von Laura Hillenbrand und den gleichnamigen Film von Angelina Jolie.

Zamperini wurde 1917 in New York geboren. Seine Eltern stammten aus Italien. In den 1920er Jahren zog die Familie nach Torrence in Kalifornien. Die Eltern konnten den lebhaften Jungen nicht bändigen. Er war immer unterwegs, war öfter in Schlägereien und Gaunereien verwickelt, immer nur ein paar Zentimeter von der Jugendstrafanstalt oder dem Gefängnis entfernt.

Dann entdeckte er das Laufen. Er wurde ein leidenschaftlicher und äußerst begabter Mittelstreckenläufer. Mit 17 stellte er einen Highschool-Weltrekord über eine Meile auf. Zwei Jahre später gehört er dem Leichtathletikteam der USA an und nahm an den olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin teil. Beim 5000-Meter-Endlauf war Zamperini der jüngste Teilnehmer und er kam als Achter ins Ziel, wobei er die letzte Runde als Schnellster zurücklegte.

(Filmausschnitt Zieleinlauf)

Olympiasieg bei den nächsten Spielen, das war sein durchaus realistisches Ziel. Aber der 2. Weltkrieg machte seinen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Louis wurde zur Luftwaffe eingezogen. Er gehörte einer Crew einer B-24 an, einem Kampfflugzeug und nahm an zahlreichen Einsätzen teil. Wie durch ein Wunder überlebte er sie alle. Einmal kehrte er nahezu unversehrt nach einem Einsatz gegen die Japaner zurück. Seine Maschine erhielt 594 Einschüsse und konnte trotzdem landen. Keiner konnte es fassen, dass dieses Flugzeug sich noch stundenlang in der Luft halten konnte.

(Bild)

Doch wenige Wochen später stürzte Zamperini mit seiner Crew über dem Pazifik ab. Ein technischer Defekt war die Ursache. Zamparini geriet im Flugzeug unter Wasser und war heillos in irgendwelche Kabel verwickelt. Verzweifelt wollte er sich befreien. Doch er schaffte es nicht. Er wurde ohnmächtig. Als er wieder erwachte, war er immer noch unter Wasser, aber unerklärlicherweise waren die Kabel weg. Zamparini konnte auftauchen. Er und zwei andere Überlebende konnten sich in einem Schlauchboot retten.

(Filmausschnitt Befreiung aus Wrack)

Nun begann ein Überlebenskampf, der seinesgleichen sucht.

Die drei Männer wussten von der Geschichte von Leutnant Rickenbacker, der nach einem Flugzeugabsturz im Pazifik mit seinen Leuten in drei Schlauchbooten überlebte. Sicher kennen sie viele unter uns auch. Sie ist in dem Buch "Es war als sängen die Engel" beschrieben. Rickenbackers Crew machte unendliche Qualen durch. Doch ein junger Soldat führte die Mannschaft zum Beten und Glauben, so dass sie viele Wunder erlebten und schließlich nach drei Wochen gerettet wurden.

Allerdings: Gegen das, was Zamperini und die beiden anderen Überlebenden durchmachte, waren diese Erlebnisse vergleichweise eine Kleinigkeit. Sie mussten nicht nur drei sondern sieben Wochen in einem Schlauchboot durchhalten, bis sie gerettet wurden. Einer der drei, genannt "Phil", war auch ein gläubiger Christ. Er glaubte an die Rettung. Mitten auf dem Ozean sang er Kirchenlieder. Louis war zu diesem Zeitpunkt kein Gläubiger. Aber auch er betete zu Gott: "Wenn du mich das hier überleben lässt, dann gehört dir mein Leben ganz."

(Filmausschnitt Gelübde)

Und sie überlebten einen Angriff eines sechs Meter langen weißen Hais. Sie überlebten den Maschinengewehrangriff eines japanischen Flugzeuges. Das Boot wurde zwar stark beschädigt, aber keiner der Männer wurde getötet. Sie überlebten Hunger und Durst, ernährten sich von selbst gefangenen Fischen und tranken gesammeltes Regenwasser. Am 33. Tag starb einer der drei Männer. Louis und "Phil" erreichten am 47. Tag die Marshallinseln, wo sie direkt von den Japanern gefangen genommen wurden.

In der Gefangenschaft sollten sie sich nach den sieben Wochen auf dem Meer zurücksehnen. Louis geriet in ein Gefangenenlager, wo der Aufseher ein unmenschliches Regiment führte. Er hieß Watanabe und war ein Sadist und Psychopath.

(Bild Watanabe)

Gerade Louis bekam seine Schikanen und Prügelattacken zu spüren. Denn Zamperini war ein unbeugsamer Mensch, der sich nicht alles gefallen ließ.

Einmal musste Louis als Schikane einen schweren Holzbalken mit gestreckten Armen in die Luft halten. Watanabe schaute amüsiert zu, wie sich der Gefangene abmühte, den Balken nicht fallen zu lassen. Doch dann wurde er immer wütender, als Louis den Balken immer länger hochhielt, 37 Minuten. Sein einziger hasserfüllter Gedanke war: "Du kriegst mich nicht klein!" bis er zusammenbrach.

(Filmausschnitt Hochhalten des Balkens)

Erst nach dem Kriegsende kam Zamperini aus der japanischen Kriegsgefangenschaft. Er kam als Kriegsheld in die Vereinigten Staaten zurück. Dort wollte er seine Sportlerkarriere fortsetzen. Doch dieser Versuch scheiterte wegen einer in der japanischen Kriegsgefangenschaft erlittenen Verletzung.

1946 heiratete er Cynthia Applewhite, eine bildhübsche Frau aus gutem Hause.

Bild: Cynthia Zamperini

Die Ehe drohte bald zu scheitern. Louis hatte zwar die Kriegsgefangenschaft überlebt, war aber psychisch ein Wrack. Er litt unter Alpträumen und quälenden Flashbacks. Immer wieder sah er die Bilder des sadistischen Watanabe vor seinem inneren Auge. Zamperini wurde depressiv, alkoholabhängig, gewalttätig auch seiner Frau und seinem Kind gegenüber. Er konnte keiner geregelten Tätigkeit nachgehen. Was ihn am Leben hielt, war der blanke Hass. Eines Tages, so schwor er sich, würde er nach Japan reisen, Watanabe aufspüren und töten.

Zamparini war am Ende: Traumatisiert, eine Ehe, die vor der Scheidung stand, ein verpfuschtes Leben. Wer konnte helfen? Es war der lebendige Gott, der in sein Leben eingriff. ("Gott, nur bei dir such ich Hilfe, du bist größer als alles Leid. Nur bei dir find ich diese Liebe. Über alles, was mir fehlt, weißt du Bescheid," so heißt es in einem Lied, das wir nun hören werden.)

(Ende Teil 1)

Im Oktober 1949 luden Nachbarn die Zamparinis zu einer Zeltevangelisation in Los Angeles ein. Der Name des jungen Predigers: Billy Graham.

(Bild)

Er predigte schon seit Wochen jeden Tag viele Stunden. Es kamen immer mehr, zum Schluss über 10.000 Besucher, die ihm gebannt zuhörten. Louis weigerte sich, die Veranstaltung aufzusuchen. Cynthia ging alleine hin. Sie kam begeistert nach hause und teilte ihrem Mann mit, dass sie sich nun doch nicht scheiden lassen wolle. Darüber war Louis natürlich erleichtert, aber er war entsetzt, als seine Frau ihm mitteilte, dass ihr Leben nun Jesus gehörte.

Mehrere Tage lang lud sie ihren Mann ein, doch auch zu Billy Grahams Veranstaltungen zu gehen. Doch er sträubte sich, bis er endlich mitkam.

Missmutig und erwartungslos setzte er sich mit seiner Frau in die letzte Reihe. Doch dann packten ihn die Worte Grahams. "Gott kennt dein Leben", sagte der Prediger, "vom Augenblick deiner Geburt bis zu deiner Todesstunde. Und wenn du am Tage des Gerichtes vor Gott stehst, dann wirst du sagen 'Herr, ich war doch eigentlich ein ganz guter Mensch', und dann wird eine Leinwand runtergezogen, und sie werden den Film deines Lebens von der Wiege bis zur Bahre zeigen, und du wirst jeden Gedanken hören, der dir durch den Kopf ging, in jeder Minute des Tages, in jede Sekunde einer Minute, und du wirst die Worte hören, die du gesprochen hast. Und deine Worte, deine Gedanken, deine Taten werden dich verdammen, wenn du an jenem Tag vor Gott stehen wirst. Und Gott wird sagen: 'Geh weg von mir.'"

Wütend dachte Louis: "Ich bin ein guter Mensch. Ich bin ein guter Mensch." Und gleichzeitig war ihm klar, dass das eine Lüge war. Nach der Predigt griff er nach Cynthias Arm und konnte nicht schnell genug das Zelt verlassen. In der Nacht litt Louis besonders stark unter den Erinnerungen, wie Watanabe ihn im Gefangenenlager quälte.

Am nächsten Tag stritt er stundenlang mit seiner Frau. "Nein, ich werde nicht mehr zu Graham gehen." Schließlich ging er doch, entnervt von der Hartnäckigkeit seiner Frau.

Graham sprach von Gott, der durch Wunder in die Welt hineinwirkt. Er redete von den unfassbaren Wohltaten, die er Menschen erweist, damit sie ihre Leiden ertragen können. Louis erinnerte sich bei diesen Worten an die Wunder, die er schon erlebt hatte, wie er den Flugzeugabsturz überlebt hatte, wie die Kabel, in die er sich verheddert hatte, wunderbarerweise verschwanden, wie die Kugeln der Japaner ihn nicht getroffen hatten, wie er die Kriegsgefangenschaft überlebt hatte. Ja, das muss doch Gott gewirkt haben.

Was Gott von den Menschen verlangt, so Graham, war der Glaube. Doch das wollte Louis nicht mehr hören. Aufgewühlt stürmte er in Richtung Ausgang. Doch da holte ihn eine Erinnerung ein, die er lange Zeit verdrängt hatte. Es war Versprechen in dem Boot: Wenn du mich rettest, dann gehört dir mein Leben ganz. Und er spürte wieder wie damals auf dem Pazifik Regentropfen auf seiner Haut. Es sollte sein letzter Flashback sein. Louis ließ Cynthia los und wandte sich Graham zu. "Jetzt ist es geschehen", sagte Graham. "Gott hat zu dir gesprochen. Komm her."

Auf dem Heimweg wandte Cynthia ihre Augen nicht von ihrem Mann ab. Zuhause angekommen ging Louis zu seinem Alkoholvorrat. Er spürte kein Bedürfnis mehr sich betrinken, wie er es seit Jahren tat. Er goss den Inhalt der Flaschen in den Abguss. Dann warf er alle Zigarettenpackungen, alle Pornohefte, alles, was Bestandteil seiner ruinierten Jahre war, in den Abfallschacht.

Beim Aufwachen am nächsten Morgen fühlte er sich geläutert. Zum ersten mal seit fünf Jahren war Watanabe nicht in seinen Träumen aufgetaucht. Er sollte nie mehr wiederkommen.

Louis nahm seine Bibel und las in ihr. Es erfüllte ihn das Gefühl tiefen Friedens. Er dachte über sein Leben nach. Es kam ihm nicht mehr in den Sinn, was er Schlimmes durchgemacht hatte. Sondern er dachte an die göttliche Liebe, die eingegriffen hatte, um ihm zu helfen. Er war nicht der wertlose, gebrochene, allein gelassene Mensch, den Watanabe aus ihm zu machen versucht hatte. All seine Wut, seine Angst, seine Erniedrigung und Hilflosigkeit war von ihm abgefallen. An diesem Morgen war er eine neue Schöpfung. Leise fing Louis an zu weinen.

Für Zamparini begann ein neues Leben. Als christlicher Redner erzählte er seine Geschichte im ganzen Land. Er kehrte auch nach Japan zurück und sprach zu den ehemaligen Wachen des Gefangenenlagers. Diese waren nun selber als Kriegsverbrecher inhaftiert. Einer war nicht da - Watanabe. Louis erfüllte keine Rache mehr sondern Vergebung, wunderbare, anstrengungslose, vollständige Vergebung. Für Louis Zamperini war der Krieg zu Ende. Die Männer, die ihn einst misshandelt waren, waren völlig perplex. Er kam auf sie zu, mit ausgestreckten Händen und einem strahlenden Lächeln.

Watanabe war nach dem Krieg untergetaucht. Erst als die japanischen Kriegsverbrecher Straffreiheit zugesichert bekamen, stellte er sich. Zu einem Treffen mit Zamparini kam es nicht mehr. Watanabe weigerte sich.

Nicht nur die Seele, auch der Körper Zamparinis heilte völlig aus. Die Folgen der Misshandlung waren restlos verschwunden. Sogar sein verletztes Bein heilte restlos aus. Mit über 60 entdeckte er das Skateboarden.

(Bild)

Die 1000 Meter lief er unter vier Minuten. Mit über 90 donnerte er in bester Stimmung auf Skiern die Pisten hinunter. Er wurde der liebenswürdigste Mensch, den man sich vorstellen konnte.

Sogar sein Traum von Olympia erfüllte sich noch. Fünfmal war er Fackelträger bei den olympischen Spielen, das letzte mal bei den Winterspielen im japanischen Nagano.

Am 22. Januar 1998 sollte er durch den Ort laufen, in dem das Gefangenenlager war, wo er von Watanabe gequält worden war. Er nahm die olympische Fackel, hob sie hoch, verneigte sich und begann zu rennen.

Wohin er schaute, war er von lächelnden Japanern umgeben. Sie klatschten und winkten und feuerten ihn an. Louis rannte über den Platz, wo ihn einst ein Mann mit schwarzen Augen bis in den letzten Winkel seiner Seele unbarmherzig verfolgt hatte. Aber die Lagergebäude, ebenso wie Watanabe, waren schon längst verschwunden. Es gab keine Spur mehr von ihnen - im Klang der Stimmen, im fallenden Schnee und in der Seele des alten, frohen Mannes, der rannte.

(Filmausschnitt Olympische Spiele Nagano)

Die bekannte Schauspielerin Angelina Jolie drehte als Regisseurin einen Film über sein Leben. Sie war zutiefst von seiner Persönlichkeit und seinem Glauben beeindruckt.

(Bild Zamperini und Jolie)

Die Fertigstellung dieses Filmes sollte Zamparini nicht miterleben. Er starb vor 3 Jahren im Alter von 97 Jahren in Los Angeles.

Louis Zamperini hat die Wahrheit dieses Wortes erfahren: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur,“ das heißt eine neue Schöpfung, ein neuer Mensch, „das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden.“ In Christus sehe ich die Welt mit anderen Augen, sehe ich sie, wie sie wirklich ist, sehe vor allen Dingen, wie Gott mich sieht, als einen Menschen, den er liebt und für den er da sein will und für den er einen Auftrag hat, einen ganz besonderen, den nur er erfüllen kann.

In Christus sein bedeutet, in seinem Wirkungsbereich zu sein, sich ihm öffnen, seinem Geist Raum schaffen, in sein Wort hineinwachsen, durch das Beten Gemeinschaft mit ihm haben. Dann kommt Neues in unser Leben hinein. Da zieht Liebe zu Gott, zu seinem Wort, seinem Willen und zu unseren Mitmenschen ein. So hat es Louis Zamperini erlebt. So können wir es auch erleben.

Youtube-Links zu Zamperini

Amen